Christiane Reichart

Christiane Reichart

Christiane wohnt in der Prosastraße 26.

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Ratschläge für eine spezifische Situation

Geschrieben von Christiane Reichart
Freitag, den 05. November 2010 um 00:53 Uhr

Ratschläge für eine spezifische Situation

Manchmal, ja, da reicht dir ein Griff.

In den Nacken. Ins Haar. Um’s rechte Handgelenk.

Das kann zum Beispiel in einer dunkel schimmernden Bar in der Oranienburger Straße sein, wo ein riesiges Aquarium New Yorker Touristen beleuchtet. Es könnte auch am Rand des 50-Meter-Beckens in der Halle des Europasportparks sein, an einer Bushaltestelle in der Potsdamer Straße oder in einer 1-Zimmer-Wohnung am Rande der Stadt, wo es nach Katzenurin riecht und rings ums Bett Raubkopien von Blockbuster-Filmen verstreut liegen.

Aber bleiben wir bei dem Beispiel mit der Bar.

Der Griff kann von einer schlanken, schönen Hand ausgeführt werden. Er ist fest, ein kleines bisschen schmerzhaft, in jedem Fall überraschend. Er passiert vielleicht gerade in dem Moment, als du entdeckst, dass in deiner blumengemusterten Strumpfhose auf der Knieinnenseite ein kleines, aber kaum übersehbares Loch ist. Der Griff wird dafür sorgen, dass du deine Strumpfhose vergisst.

Franzis Vermächtnis

Geschrieben von Christiane Reichart
Dienstag, den 13. Juli 2010 um 21:21 Uhr

Franzis VermächtnisAn den Namen des ersten Mannes, den ich im Westen küsste, kann ich mich nicht erinnern. Er klang altmodisch, der Mann selbst war ausgesprochen schön. Ich erinnere mich dunkel an Spaziergänge durch herbstbunte Wälder rings um Tübingen, ich erinnere mich an seine Lippen, die bedächtig und zurückhaltend küssten, und dass ich mit ihm zusammen das erste Mal einen McDonald betrat - er meinte, das müsse ich gesehen haben.

Das ist alles. Ich weiß nicht, wie es begann und warum es endete, ich weiß nicht einmal mehr, ob wir irgendwann zusammen ins Bett gingen, nichts davon scheint mich wirklich berührt zu haben.

Meine Welt spielte sich anderswo ab. Ich war gekommen, um das Leben zu leben, das ich gesucht hatte, ich wollte studieren, durch die Welt reisen, mich politisch engagieren. Aber das Leben war nicht mitgekommen, es fand weiterhin dort statt, wo ich hergekommen war. Zu mir kam es nur mit den Briefen meiner Freunde, mit den Fernsehbildern, in den Stimmen während seltener Telefonate.