Wie wird es sein wenn ich dir begegne wirst du mich anlächeln so dass ich weiß Du bist es wird es stürmisch sein oder ganz sanft wird die Sonne scheinen wird es besonders oder werde ich erst später merken wie magisch das war mit uns und Deine Hände werden sie groß genug sein um mein Gesicht darin zu verbergen wirst Du sagen dass ich schöne Augen habe oder dass Du mein Parfüm magst wie wird Deine Stimme klingen so wie ich sie manchmal schon höre ohne dass ich sie beschreiben kann wirst du mich anrufen später und mir sagen dass ich Dir fehle wird es dabei warm und weich in meinem Bauch werden wir zusammen schweigen können nichts als Stille um uns herum wenn ich auf Deiner Brust liege werde ich mit Dir Dinge sehen von denen ich noch nicht weiß dass es sie gibt was werde ich mir von Dir zum Geburtstag wünschen und was zu Weihnachten werden all die Wege all die Straßen anders aussehen wenn ich an Dich denke wirst Du manchmal wenn Du etwas von mir in Deinem Zimmer findest die Augen schließen und glücklich sein
Monique sieht aus wie eine gewissenhafte Bibliothekarin: ledig, zwei Katzen. In ihrer braunen Umhängetasche trägt sie stets einen Stadtplan mit sich, eine angebrochene Tüte Eukalyptusbonbons, einen Knirps und einen grünen Marzipanfrosch, eingewickelt in Folienpapier, den sie bei der Eröffnung eines Süßwarengeschäftes geschenkt bekommen hat. Monique mag Frösche, sie erinnert sich an den Gartenteich, früher, vor ihrem Fenster, den quakenden Klang von Sommer. Und noch immer an den Frosch, den sie fing; an das Gefühl seines bebenden Herzens auf der Innenfläche ihrer Hand.
Wenn Monique durch die Straßen heimwärts läuft, sucht sie von Zeit zu Zeit in ihrer Tasche nach dem abgenutzten Folienpapier und denkt ein wenig an das, was war. Auf ihrem Klingelschild steht noch immer der Name des Vormieters und manchmal, wenn sie die Tür hinter sich schließt, stellt sie sich vor, wie die Zimmer vor ihr ausgesehen haben. Dann schleicht sie auf Zehenspitzen umher, als hätte sie sich hinein gestohlen und lauscht im Halbdunkel dem Fernseher aus der Nachbarwohnung.
Das fühlt sich einsam an auf eine vertraute Art und Weise.
Ich kann mich nicht an dein gesicht erinnern. Selbst wenn ich dein foto ganz dicht an meine augen führe. Es bleibt nur das. Ein foto. Kein gesicht. Ich weiß noch wie du riechst. Das weiß ich noch. Nur wie das war. Das geborgensein. Bei dir. Das weiß ich nicht. Ich hab es nicht vergessen. Ich kann es nicht vergessen. Sonst wäre nichts so leer wie es ist. Nur fühlen kann ich es nicht mehr. In mir. Du sahst müde aus. Das denke ich manchmal. Vielleicht war es eine schöne schwere müdigkeit. Wie nach einem langen guten tag. Vielleicht warst du traurig. Ich war es sehr. Glaube ich. Ja. Wir haben nie darüber gesprochen. Haben gar nichts gesagt. Wie lange das schon ging. Und wie ich hoffte. Du mochtest meine flachen schuhe nicht. Ich hab sie weg geworfen. Kurz vor schluss. Da war es längst schon still um uns. Vielleicht ist das so. Dass alles kommt. Und geht. Dass ewigkeit nur ein versprechen ist das man nicht halten muss. Nicht halten kann. Ich halte fest an dir. Ich weiß. Ich will dich. Immer noch spüren. Wie eh und je. Und atmen.
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Es gibt Orte, an denen keine Zeit vergehen darf, an denen Jahreszeiten so spurlos vorbeiziehen, dass man sie nur in den wechselnden Kränzen sieht, die an den Haustüren hängen. Es gibt Menschen, dort, die immer da sind, ohne Zweifel, als wären sie selber Häuser, Bäume, Bordsteinkanten. Heute hier. Morgen auch.
Nur bisweilen fährt ein Auto vor, das man nicht kennt; geht ein Licht aus, später als sonst; bewegt sich etwas, zeitauswärts.
Man läuft nicht fort von solchen Orten, schnellen Schrittes, man schlägt die Tür nicht zu, mit einem Ruck. Und tut man es, dann gibt es kein Zurück, kein Wieder-Ankommen, dann wackelt alles, öffnet sich die Sollbruchstelle. Dann friert es ein, das Leben, so lange, wie es braucht, bis jemand kommt und sich ins kahle Loch setzt, sich einverleiben lässt. Und lächelnd tut, als wäre er schon immer da gewesen. Es gibt Orte, die alles verschwinden lassen, jeden Riss, jede Wirklichkeit, jede Lüge.
Man muss nur warten und wissen, dass man ankommt, wenn man dem Vergessen hilft, es schmückt mit Tannenzweigen und goldenen Glöckchen, Kunstblumen und Pappvögelnestern.
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Anna liebt den späten Abend, liebt das Hereinbrechen der Nacht mit ihrer sanften Schwere, die wohlige Müdigkeit und die Stille, die so ganz anders ist, als wenn sie einen am Tage trifft.
Unten im Haus, da schläft es dann und in der Küche kann sie einen Schluck vom Kirschwein trinken, den die Mutter stehengelassen hat. Dann wird es warm und weich und alles, was noch kommen soll, ist unbedrohlich da. Dann ist es wunderschön, so jung zu sein, dann ist das Haus nicht frisch bezogen, sondern längst schon lebensvoll und zeitlos, dann lädt es ein, zurückzukehren, irgendwann, wenn sie wer-weiß-wo ist. Dieses Haus ist wärmer, als alle, die Anna kennt und die sie je gekannt hat.
Unter seinem Dach, hinter seinen Fenstern hält es das Versprechen bereit, ein ganzes Leben lang nach Hause kommen zu können.
Weißt Du wie das ist werd ich dich fragen wie das ist wenn man kein Zuhause hat wenn alles nur ein Abschnitt weißt du wie sehr man sich sehnen kann danach weißt du wie schön es war als ich das erste mal auf diesem Bett lag weißt du dass ich erst seit dieser ersten Nacht in diesem Haus an dich geglaubt habe daran dass du kommst und dass es sich lohnt weil ich nicht wieder fort muss weißt du wie mich darauf freue dir unser haus zu zeigen mein zimmer den garten weißt wie es sich anfühlt anzukommen weißt du wie das ist wenn man endlich einmal stillsteht und atmet und alles dabei spürt
Monique hat sich komplett neu eingerichtet, die Zimmer hell gestrichen in einer Farbe, von der sie noch nicht weiß, ob sie sie mögen wird. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Eine neue Wohnung ist wie ein neues Leben. Manchmal fährt Monique mit der Hand über eine Sessellehne und will sich heimisch fühlen. Und bleibt doch auf der Hut, wenn sie sich endlich setzt. Als würde sich jede Wand als schön getarnte Pappattrappe entpuppen, als haltlose Gemütlichkeit, genau in dem Moment, wenn man den Kopf daran lehnt. Das ist kein heimisches Gefühl, aber ein sicheres, eins, das Ernüchterung vorwegnimmt und ihr ein Schnäppchen schlägt.
Monique trinkt Kaffee, wenn sie abends ihre Tasche in den Schrank geschoben hat, manchmal auch Ingwer-Tee. Sie mag es wach zu sein, hellwach, wenn alles schläft. Dann kann sie ein, zwei Stunden lang genießen, dass nichts mehr um sie ist, was heimlich lauert und erschrecken will. Dann glaubt sie manchmal fast, sie wäre glücklich hier.
Mir war nicht klar wie sehr ich davon träumte. Davon träumte anzukommen mit dir Wie viele jahre braucht es bis alles in einem zuhause an seinem platz ist. Bis jedes stück seinen vertrauten winkel hat. Wie lange braucht es bis man daran erstickt. Ich hab sie nie gespürt. Die enge von der du irgendwann gesprochen hast. Ich hab' geträumt. Von wärme und zuhause sein. Lass uns noch einmal zurückgehen zu dem moment als ich noch unbedarft an gar nichts dachte. Als meine träume so wahrhaftig waren dass keine realität sie erschüttern konnte. Du fehlst mir. Du und all das was mit dir verschwand.
Als Monique an der vertrauten Haltestelle aussteigt, ist es dunkel. Am Straßenrand wuchern die Brennesseln und irgendwo hört sie ein leises Quaken. Es ist Sommer.
Den Teich hat niemand zugeschüttet, sie kann ihn im faden Licht der Laterne erkennen.
Hinter den Fenstern brennt kein Licht, nur oben, ganz oben unter dem Dach sieht sie, dass jemand sich bewegt. Vielleicht ein Mädchen, sie kann durch die Gardine nur Umrisse erkennen. Das Haus, es sieht noch immer aus, als würde es träumen, als könnte keine Zeit daran je etwas ändern. Es gibt Zeiten, denkt Monique, da wandert man und jeder Schritt ist tief im Innern spürbar. Und es gibt Zeiten, die wandern mit dir weiter, die fragen nicht, wohin du gehen willst. Als das Licht im obersten Stock erlischt, geht Monique. Geht zeitauswärts. Und nichts lauert.
